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Wandelanleihen: Wie funktioniert eine Wandelanleihe?

Inhaltsverzeichnis:

  1. Definition
  2. Beispiel
  3. Schematische Ansicht
  4. Vor- und Nachteile für den Anleger
  5. Vor- und Nachteile für den Emittenten

Definition der Wandelanleihe

Eine Wandelanleihe wird von einem Unternehmen (Emittent) herausgegeben, um sich zu finanzieren. Dafür bietet man dem Käufer bzw. den Inhaber (Gläubiger) konstante Zinsen. Das festverzinsliche Wertpapier kann in einem vorher definierten Zeitraum in Aktien des emittierenden Unternehmens umgewandelt werden. So entsteht der Begriff Wandelanleihe.

Die Umwandlung der Anleihe in Unternehmensanteile ist freiwillig. Sollte der Inhaber sich dafür entscheiden, so verzichtet er auf die Rückzahlung des ursprünglichen Kaufpreises und auf Zinszahlungen des Papiers.

Das Unternehmen wandelt durch diesen Prozess Fremdkapital in Eigenkapital um.

Eine Wandelanleihe wird gleichzeitig als hybrides Wertpapier bezeichnet, da es sowohl von der Kursentwicklung des Unternehmens als auch von

profitieren kann.

Die Vorteile der Wandelanleihe sind die festen Zahlungen über einen definierten Zeitraum und die Möglichkeit der Wandlung in Aktien, sobald der Aktienkurs über den Wert der Anleihe steigt.

Der größte Nachteil ist, dass eine Anleihe ausfallen kann, während der Aktienkurs zwar stark sinken kann, doch nur selten komplett gegen Null tendiert. Für Privatinvestoren gilt es daher zu hinterfragen, ob eine Anlage in diversifizierende Fonds sinnvoller ist. Sogenannte Mischfonds könnten Aktien und Anleihen halten. Reine Aktienfonds (z.B. Alpha Star Aktienfonds) dürfen per Definition keine Anleihen halten.

Beispiel

Wandelanleihe

Das Beispiel zeigt wie die Wandelanleihe funktioniert. Der Investor könnte eine Aktie für 103 € kaufen. Stattdessen entscheidet er sich für eine Wandelanleihe zu 110 €, welche nach 4 Jahren einen fest vereinbarten Rückzahlungswert in Höhe von 100 € garantiert.

Im Verhältnis zur Aktie zahlt der Käufer vorerst ein sogenanntes Aufgeld (Agio) von 7 € im Verhältnis zum Aktienkauf. Steigt der Aktienkurs nun über 110 €, so ließe sich die Anleihe in Aktienanteile umwandeln. In der Regel lohnt sich die Umwandlung in die Aktie mit dem Erreichen des Kurses von 110 €, da somit die Rendite früher realisiert wird und dadurch die durchschnittliche Rendite pro Jahr steigt.

Es kann jedoch Sinn machen, die Anleihe auch über den Aktienkurs von 110 € hinaus zu halten. Dies ermöglicht ein späteres Umtauschen zu einem höheren Aktienkurs – in Verbindung mit der Sicherheitspuffer in Höhe des Rückzahlungspreises der Wandelanleihe von 100 €.

Steht der Aktienkurs zum Ende der Laufzeit unterhalb der 100 €, so bleibt diese Schwelle stets vorhanden. Der Investor würde mit einem geringen Gewinn durch die in der Regel kleinen Zinsen aus der Investition gehen.

Schematische Darstellung einer Wandelanleihe

Eine Wandelanleihe stellt eine Kombination aus zwei Anlageklassen dar:

Aus diesen beiden Einzelteilen lässt sich das fertige Produkt zusammensetzen:

Beispiel: Schema der Wandelanleihen

Das gezeigte Beispiel verdeutlich das Verhalten bei einem 1:1 Tauschrecht. Bitte beachten Sie, dass die Tauschverhältnisse unterschiedlich ausfallen können. Ein 10:1 Verhältnis würde bedeuten, dass Sie 10 Wandelanleihen in eine Aktie Tauschen können. Dies wäre z.B. der Fall, wenn der Aktienkurs bereits sehr hoch ist. Die Berechnung der Wandelanleihe weicht dadurch dennoch nicht ab.

Das Aufgeld zahlt der Gläubiger für die Absicherung gegen fallende Kurse. Damit ist das Geschäft vergleichbar mit dem Kauf einer Aktie in Verbindung mit einem Optionsschein (Put), der den Käufer vor sinkenden Kursen schützt. Der Optionsschein wäre bei steigenden Aktienkursen wertlos und bei sinkenden Kursen wertvoller. Die Kosten für den Schein sind vergleichbar mit dem Aufgeld bei einer Wandelanleihe.

Aus der Sicht des Anlegers

Es stellt sich nun die Frage, ob Wandelanleigen aus Sicht des Anlegers sinnvoll sind oder nicht. Wir haben Vor- und Nachteile zusammengefasst:

Anleger-Vorteile

Anleger-Nachteile

Jeder Anleger sollte sich daher genau informieren, ob eine Pflichtumwandlung vorgesehen ist und ob Verwässerungsschutzklauseln definiert sind.

Aus der Sicht des Emittenten (Herausgeber)

Das Emittierende Unternehmen (eine Aktiengesellschaft) muss die Herausgabe einer Wandelanleihe auf der Hauptversammlung mit einer Mehrheit von dreiviertel der Stimmen beschließen.

Mit dem Beschluss steht allen Aktionären ein gesetzliches Bezugsrecht auf dieses Papier zu. Die Hauptversammlung beschließt ebenso das Tauschverhältnis in Aktien und die Laufzeit. Das Unternehmen hat die Möglichkeit eine Pflichtumwandlung zum Ablauf des Papieren vorzunehmen.

Emittenten-Vorteile

Emittenten-Nachteile